UNTERWEGS 1988-1989

shots on 135 film, ca. 40 prints on silvergelatine baryta, 26x39cm, 1988/1989

Im Herbst 1988 war ich auf einen Ausflug von Karl-Marx-Stadt ins Leipziger Umland eingeladen und fotografierte aus dem fahrenden Auto heraus Straßen, Häuser und Leute. Zu diesem Zeitpunkt hatte der ostdeutsche Staat einen Zustand erreicht, in dem die Erosion der Strukturen dominanter war als die konstruktiven Tendenzen. Die distanzierten Bilder von der Fahrt in die Leipziger Tieflandsbucht, flüchtige alltägliche Situationen aus kurzer Annäherung heraus festhaltend, entsprachen meiner Wahrnehmung dieses gesellschaftlichen Status Quo.
Bisher hatte ich Motive, die offensichtlicher Veränderung unterliegen, weitgehend vermieden. Das wurde im sich beschleunigenden Zerfall des Bezugssystems immer schwieriger.
Ich führte die Arbeit weiter, suchte Gelegenheiten, als Beifahrer das Land und seine Bewohner zu fotografieren. Wichtig waren anschließende Fahrten von Berlin nach Zwickau, im Erzgebirge und Touren um Magdeburg und Riesa.
„Unterwegs“ ist ein Dokument der Agoniephase der DDR zwischen der Aufgabe der historischen Illusion und der völligen Auflösung.
Im Frühjahr 1989, als sehr viele Menschen diesen Lebensraum verließen, gab es keinen Grund mehr die Reihe fortzusetzen.

>>> Film „1989“